Trip to North Italy

Nachdem wir im April unseren Benny von der Firma Woelcke übernommen haben, nutzen wir die Feiertage im Mai für einen ersten Trip an die oberitalienischen Seen und ins Südtirol. Schliesslich wollen alle Funktionen ausprobiert werden und wir müssen noch ein besseres Gefühl für die Fahrzeuggrösse bekommen. 

 

Auf der Autobahnstrecke rauf zum Gotthard spüren wir zum ersten Mal die 7 Tonnen Lebendgewicht. Der 4,3 Liter Dieselmotor müht sich redlich, muss sich aber doch sehr anstrengen. 156 PS und 610 NM Drehmoment sind schliesslich kein Raketenantrieb und so geht das letztlich nur mit fleissigem Herumschalten im Getriebe. Aber wir sind ja nicht auf der Flucht. Die anderen LKW’s sind auch nicht schneller und so reihen wir uns ein in die LKW Spur und ziehen mit 60km/h rauf auf 1000 Höhenmeter bis zur Tunneleinfahrt. Der Vario darf übrigens Anhänger bis zu 7,5 Tonnen ziehen. Da fragt man sich, wie sich der Vario bei einem  Gesamtzugsgewicht von 15 Tonnen am Gotthard Pass schlagen würde. 

 

Das Tessin erwartet uns mit frühlingshaftem Wetter und die Vorfreude auf den Lago Maggiore steigt. Die ersten Stresssituationen lassen nicht lange auf sich warten, denn kurz nach Ascona beginnt eine enge und kurvige Seestrasse mit Felsvorhängen. Wenn dann Busse oder Lastwagen entgegenkommen, wird es sehr schnell sehr eng. Bis wir auf die Idee kommen, die weit abstehenden Spiegel einzuklappen, denn das bringt wieder einige Zentimeter. Was wir nicht bedacht haben: Mit fast 7m Länge glaubt man bereits um die Kurve rum zu sein, aber das Heck hängt noch hinterher, und so rasieren wir uns beim erstbesten Felsvorsprung gleich die Aussenbegrenzerleuchte ab und produzieren einen rechten Kratzer. Und das am ersten Tag. Grrrmmpff!! Anfängerpech! Nun ja, eine GFK Kabine kann man gut ausbessern. Nix Schlimmes, trotzdem ärgerlich.

Wir stehen auf einem Campingplatz in Cannobio (frei am See zu stehen, ist aussichtslos),  treffen dort einen anderen Vario Besitzer, tauschen Erfahrungen aus und geniessen das Dolce Far Niente.     

Weiter geht’s zur Fähre von Intra nach Laveno, das erste Mal im Regen.  Aber wir sind ja auf Testfahrt und können somit bestätigen, dass unser Benny wasserdicht ist.  Die Weiterfahrt zum Luganer See und zum Comer See durch das extrem dicht besiedelte Norditalien ist eine Herausforderung:  Enge Strassen, viele entgegenkommende LKW’s, mühsamer stop-and-go Verkehr.  Um wieviel stressiger wäre diese Fahrt, wenn wir in einem grossen Expeditions-LKW sitzen würden mit >7,5 Tonnen, 2,50m Breite usw.? Das wollen wir uns gar nicht ausmalen.  Und fühlen uns bestätigt, dass wir mit der 7,5 Tonnen  Klasse ganz gut bedient sind. Allerdings ist die Höhe unseres Benny mit fast 3,60m nicht ohne und wir müssen höllisch aufpassen bei Tunneleinfahrten oder Gebäudeüberhängen in kleinen Dörfern.

Am Comer See suchen wir erneut eine Möglichkeit zum Freistehen am See, leider ohne Ergebnis. Also müssen wir wieder auf einen Campingplatz, immerhin nicht mehr so eng parzelliert. Beim Duschen am Morgen will das Wasser immer noch nicht warm werden, bis wir merken, dass Kaltwasser- und Warmwasserzuführung vertauscht worden sind. Das ist ein kleines lösbares Problem.

Unsere Reise geht weiter an den Gardasee. Wir machen Station in Lazise und in Malcesine und haben endlich das Glück, einen Stellplatz direkt am See zu finden, den sich die Italiener allerdings teuer bezahlen lassen.

Unser nächster Stopp ist im Südtirol. Wir können zum ersten Mal frei in den Weinreben stehen, treffen eine Vario-begeisterte, im Südtirol lebende Berlinerin und geniessen ein gutes Essen am Kalterer See.  Und Wein kaufen wir natürlich auch.

Wir testen ausgiebig unsere Trockentrenntoilette und sind begeistert: sehr einfache Handhabung und keine Geruchsbildung. Unsere Testfahrt geht weiter in Richtung Schweiz. Der Test heisst nun: Überquerung anspruchsvoller Alpenpässe. Mit dem Ofenpass und dem Julierpass hat unser Benny zwei ordentliche Herausforderungen und der Motor muss nach jeder Kurve (und davon gibt es viele) wieder mühsam neu Fahrt aufnehmen. Mit den langen manuellen Gangwechseln ist das ganz schön viel Arbeit. Nix Automatikgetriebe. Dafür bekommen wir bei der Abfahrt vom Pass das Gewicht zu spüren: Die 7 Tonnen schieben massiv, werden aber von der zuschaltbaren Staudruckbremse  ganz gut unter Kontrolle gehalten.  Und wie immer gilt: Stau? Nöö, der ist doch hinter uns :-).

Die Fahrt durch den Schweizer Nationalpark ist schon mal ein gefühlter Ausflug nach Kanada. Lange Strassenzüge, dichte Wälder, keine Besiedlung und imposante Bergwelten begleiten uns. Nur die dort ebenfalls ansässigen Bären bekommen wir nicht zu sehen.  Aber es erhöht unsere Vorfreude, wenn es dann mit unserem Benny wirklich nach Kanada geht.

Zum Abschluss unserer Reise übernachten wir im Unterengadin auf rund 1600m Höhe auf einer schönen Wiese irgendwo in der Pampa, gefunden mit der park4night App (sehr zu empfehlen). Wunderbar, so muss das sein.  Und haben sogleich die erste Gelegenheit, die Heizung auszuprobieren . Auch das funktioniert. Dazu geniessen wir Risotto mit Südtiroler Spargel. Lecker. 

Die Fahrzeuglänge erlaubt mit 6,90m eine grosszügige Kabine für 2 Personen und der Alkoven bringt ein schönes, luftiges Raumgefühl.  Aber 6,50m hätten im Nachhinein auch gereicht, mit etwas kleinerer Dusche und einem weniger breiten Schrank. Unsere Stauräume haben wir derzeit bestenfalls zu 30% belegt. Da haben wir also noch jede Menge Zuladungsreserve. Aber egal: Wir geniessen den Platz, vor allem in der Hecksitzgruppe sitzt man hoch über der Strasse wie in einem Loft mit Rundblick. Wir sind froh, dass wir das Heckfenster noch haben reinmachen lassen. Das bringt mehr Licht und Ausblick. Und auch ein Tipp von Woelcke hat sich bewahrheitet: Wir haben bewusst noch kein Regalsystem im Heckstauraum realisiert.  Wollen erst mal Erfahrungen sammeln, was wirklich mit muss und was nicht. Bis auf Weiteres fahren wir also mit Kartons im Heckstauraum herum (für das Grillzeugs, das Elektrozeugs, das Wasserzeugs usw.).

 

 

 

Was uns auch positiv aufgefallen ist, ist das absolut spurstabile Fahrverhalten. Die Nachrüstung der stärkeren Marquart Stossdämpfer hat sich in jedem Fall gelohnt. Keine Wankbewegungen in Kurven. Der Vario läuft wie auf Schienen.  Dazu trägt aber auch die hintere Zwillingsbereifung und die Tellerfederlagerung des Zwischenrahmens bei.

 

 

 

Die optimale Reisegeschwindigkeit liegt bei gut 90km/h. Wir haben den Geschwindigkeitsbegrenzer mit der Ummeldung von LKW auf schweres Wohnmobil von Mercedes Benz rausnehmen lassen.  Mit dem Benny über 100km/h zu fahren, ist nicht unbedingt Spass, zumal er eine eher kurze Endübersetzung hat (es gibt auch Varios mit langer Endübersetzung). Da wir aber überwiegend auf Landstrassen unterwegs sind, spielt  die Endübersetzung für uns nicht so eine grosse Rolle.

 

 

 

Am anderen Morgen erwachen wir bei  frischen 7 Grad Aussentemperatur, schmeissen wieder die Dieselheizung an(die Gebläseöffnungen im Bad auf Fusshöhe sind wahrer Luxus) und geniessen eine warme Dusche sowie ein gutes Frühstück. So lässt sich das auch länger aushalten. Aber nun geht’s erst mal nach Hause.  Unser Benny hat die Testfahrt tip top gemeistert und wir fühlen uns wohl an Bord.

 

 

Der Dieselverbrauch hat sich bei 17,7 Liter (Autobahn) und 18,6 Liter im Mix (incl. Passtrecken, stop and go) eingependelt.